Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn: „1920er! Im Kaleidoskop der Moderne“

Carl Walther: Portrait einer Frau mit Zigarette, 1926 – Die neue Frau!

Wer sich noch nicht so viel mit den „Zwanziger Jahren“ beschäftigt hat, dem sei die aktuelle Ausstellung auf der Bonner Museumsmeile zu empfehlen. Sie verschafft einen guten (und differenzierten) Überblick über die Zeit. Drei Hauptthemen strukturieren die Ausstellung: Städte, Menschenbilder und Lebenswelten.

Die 1920er gelten ja bei vielen als Lieblingsepoche, nicht zuletzt die Fernsehserie „Babylon Berlin“ hat sehr dazu beigetragen. Schon dort wurde deutlich, dass es sich einerseits um eine Umbruchphase mit großer Aufbruchstimmung handelte, andererseits aber genau deshalb auch große Unsicherheit herrschte. Es war eine Zeit der Widersprüche und Extreme.

Zentrale Themen

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Bereichen Mode, Urbane Utopien, Neue Frau, Mensch Maschine, Stadt der Moderne und Sport.

Stadt der Moderne

Für mich am interessantesten war natürlich der Bereich „Stadt der Moderne“. Die Bevölkerung war durch Fortschritte in der Medizin extrem gewachsen (1871 bei Reichsgründung waren es 41 Millionen Menschen und im Jahr 1900 bereits 56 Millionen) Es gab Wanderungsbewegungen vom Land in die Städte bzw. in die Industriegebiete, in denen es Arbeit gab. Es brauchte neuen Wohnraum und auch neue Wohnformen. Man verlangte nach Licht und Luft und die Architekten suchten nach neuen Lösungen.

Man schaute über den großen Teich, insbesondere nach New York mit den Wolkenkratzern (wobei eigentlich Chicago als Geburtsstätte der Wolkenkratzer gilt, nach dem Großen Brand 1871). Für die einen war New York „ein urbanistischer Traum, für die anderen das „Neue Babel“.

The New Babel, Fortunato Depero (1892-1960)

Neues Bauen

Und dann gab es die Bauausstellung des Deutschen Werkbundes in Stuttgart 1927, wo unter der Leitung von Mies van der Rohe die führenden Vertreter des Neuen Bauens (Le Corbusier, Walter Gropius, Hans Scharoun, Peter Behrens, Bruno Taut und weitere) 21 Wohnungen errichteten, die Weißenhofsiedlung.

Sieht sie nicht fantastisch aus auf dem Gemälde von Reinhold Nägele (1884-1972)? Immer noch modern und das nach fast 100 Jahren! 😀

Weißenhofsiedlung bei Nacht, Reinhold Nägele

Traummöbel…

Außerdem waren ein paar Bauhaus-Möbel waren ausgestellt. Jedes Mal wieder schön, den Wassily Sessel von Marcel Breuer zu sehen. 🙂

Wassily Sessel von Marcel Breuer, entworfen 1925 am Bauhaus in Dessau

Infos

  • Wo: Bundeskunsthalle Bonn
  • Wann: 1. April-30. Juli 2023
  • Anfahrt: Museumsmeile Bonn, Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn

Museumsmeile Bonn

Übrigens sind auch die Gebäude der Kunstmeile spannend, hier das der Bundeskunsthalle gegenüberliegende Kunstmuseum Bonn.

Kunstmuseum Bonn, erbaut 1992, Architekt Axel Schultes

Könnte man ja theoretisch mit einem Besuch bei der Kirschblüte in der Altstadt verbinden… 😉

https://www.bonn.de/bonn-erleben/besichtigen-entdecken/kirschbluete.php

Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑