Das Red Dot Design Museum im ehemaligen Kesselhaus der Zeche Zollverein in Essen

Auch wenn man sich nicht ganz so sehr für zeitgenössisches Design interessiert: Der Besuch im Red Dot Design Museum in Essen lohnt sich schon aufgrund des Gebäudes! Das 1928/29 im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaute ehemalige Kesselhaus der Zeche Zollverein ist von außen und von innen ein Ereignis!

Gleiches trifft natürlich auf das gesamte Gelände zu: Schacht XII (siehe Foto oben, erbaut in den Jahren 1928 bis 1932 von Fritz Schupp und Martin Kremmer) gilt als technisches und ästhetisches Meisterwerk. Die „schönste Zeche Deutschlands“ und das „Wunderwerk der Technik“ wurde 2001 in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen. Zurzeit kann man in der ehemaligen Kohlenwäsche, dem heutigen Ruhrmuseum, eine Ausstellung über den Fußball im Ruhrgebiet sehen. Wäre eigentlich was für den Hubby…

Kesselhaus der Zeche Zollverein Essen

Doch zurück zum Kesselhaus. Gleich zu Beginn am Eingang bzw. im Erdgeschoss stechen mir meine Lieblingsdesign-Objekte ins Auge: Ich habe ein Faible für Stühle. Doch die nette Dame am Empfang rät mir, mich an den offiziellen Weg zu halten und erstmal die Treppe hochzugehen, denn der „Wow-Effekt“ sei so am größten.

Sie hat nicht übertrieben.

Dunkel/Hell. Rau/Glatt. Staubig/Klar. Rau/poliert. Wuchtig/Klein. Roh/Geschliffen. Alter Backstein kombiniert mit glatter Metallfläche. Rostige Rohre neben reinweißem glattem Kunststoff. Funkelnde Lichtbrechungen der Pendelleuchte vor alten dunkelbraunen Ventilen.

Der Kontrast zwischen alter Industriearchitektur und modernem Design lässt meinen Atem stocken. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie etwas Äußeres, also Materie im Prinzip, etwas nicht Lebendiges, alle Sinne ansprechen und sogar Gefühle auslösen kann. Bei mir zumindest löst dieser aus lauter Gegensätzen bestehende Anblick definitiv Verblüffung und Begeisterung aus.

Ich durchschreite Raum für Raum und betrachte die Objekte. Vieles interessiert mich nicht wirklich, wie ein Wasser-E-Bike beispielsweise, aber das Gesamtkunstwerk aus Alt und Neu lässt mich munter von Etage zu Etage laufen.

Ständige Schau formschöner Industrieerzeugnisse

Witzigerweise gibt es eine Verbindung zwischen dem Designmuseum und dem Unternehmen Krupp, denn aufgrund der Initiative von Carl Hundhausen, dem Leiter der Abteilung für Presse und Werbung der Friedrich Krupp AG, wurde damals 1954 der Verein Industrieform e. V. in Essen gegründet.

Bei Wikipedia wird aus einem Zeitungsartikel aus der Süddeutschen Zeitung zitiert: „Der Verein hatte den Zweck, die gute Form zu suchen und diese in einer Ausstellung zu zeigen. Industrieform dokumentiert, dass es im Ruhrgebiet kein sogenanntes ,Gelsenkirchener Barock‘ zu geben braucht; dass die Formen und Dinge, mit denen sich anständig, gut und ehrlich, ja auch schön leben lässt, da sind.“ (Gerhard Schöne, Süddeutsche Zeitung vom 12. Oktober 1955). Und weiter steht dort: „In einem fortan jährlich ausgeschriebenen Wettbewerb, heute als Red Dot Design Award bekannt, wurden erstmals im Jahr 1955 Industrieprodukte von einer Jury ausgewählt.“

Zunächst wurde die „Ständige Schau formschöner Industrieerzeugnisse“ im Kleinen Haus der Villa Hügel gezeigt. Nach verschiedenen anderen Standorten kam schließlich das Kesselhaus ins Gespräch. Das Designmuseum befindet sich seit 1997 dort. Der Architekt Norman Foster hat das Gebäude für die Ausstellung von ca. 2000 Designexponaten umgebaut. Eine Jury entscheidet jedes Jahr erneut, welche Produkte im Museum gezeigt werden. Dabei liegen Kriterien wie der Innovationsgrad oder die Funktionalität zugrunde. Dazu heißt es vom Museum: „Gutes Design ist nicht nur ein schönes Äußeres. Es hilft uns dabei, unser Leben zu meistern, unsere Arbeitswelt sicherer zu machen oder unsere Freizeit angenehmer zu verbringen.“

Stichwort Nachhaltigkeit

Nachdem ich Dutzende von Produkten gesehen habe, bin ich ein wenig erschöpft.

Vor einer medizinischen Beinprothese überkommt mich der Gedanke, dass Menschen unfassbar gut darin sind, neue Technologien zu kreieren. Fast kommt es mir so vor, als wenn diese Eigenschaft diejenige ist, die wir am allerbesten beherrschen.

Oder liegt es daran, dass wir das so in den Vordergrund gestellt haben? Stichwort Industrialisierung… Hier stehe ich ja quasi an der Wiege der Industrialisierung, und all diese Produkte sind im Endeffekt durch all das, was genau an diesem Ort vor 100 Jahren stattfand, erst möglich geworden. (Und ich habe ja gelernt, dass tatsächlich einer der „Jugendstil-Architekten“ aus Darmstadt, nämlich Peter Behrens, der erste Produktdesigner war- siehe Blogbeitrag) Einerseits sind diese Dinge tatsächlich sehr oft eine große Hilfe in unserem Alltagsleben… andererseits ist eben vieles davon auch eine Zumutung für die Umwelt. Mhm. Scheinbar bedingt das Eine das Andere, zumindest in der Masse. Wenigstens spielt die Nachhaltigkeit auch in diesem Bereich eine immer größere Rolle…

Nachhaltigkeit im Design

Beim Anblick des Skateboards denke ich an meine beiden Neffen. Mein Patenkind Max (11 Jahre) würde die Ausstellung bestimmt auch ganz toll finden, zumindest war er vor kurzem sehr interessiert an all solchen Dingen, als er in den Ferien mit seiner Mutter zum Shoppen nach Düsseldorf kam. 😉

Zu guter Letzt gelange ich in den letzten Raum, meinem persönlichen Highlight: ein Traum aus lauter Stühlen, gruppiert um ein interessantes Kunstwerk. Leider kann ich den Text dazu ohne meine Brille nicht lesen. Sieht aber sehr schick aus. 😉

Fazit: Der Besuch lohnt sich wirklich, allein schon aufgrund des Raumerlebnisses! 🙂

Infos

  • Red Dot Design Museum
  • Zeche Zollverein
  • Anschrift: Gelsenkirchener Straße 18, 45309 Essen. Empfohlen wird die Nutzung des Parkplatzes A2, der dem Museum am nächsten ist. Das Parken ist kostenfrei.

2 Antworten auf „Das Red Dot Design Museum im ehemaligen Kesselhaus der Zeche Zollverein in Essen

Add yours

Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑