
Die Horrorvorstellung einer Stadt ist für mich das, was ich vor ein paar Monaten im „Designer-Outlet-Roermond“ in den Niederlanden gesehen habe: nette, neu erbaute Häuser der „holländischen Art“ (aus Backsteinen und mit bunten Giebeln) mit den üblichen Markengeschäften und dazu in ähnlichen Häusern ebenso bekannte Foodmarken zur Gastro-Einkehr (Kamps, Starbucks und Co.). Alles total sauber und adrett, gedacht für den „unstressigen Shoppingtag“, Parkplatz inclusive. Genormter und langweiliger kann ich es mir kaum vorstellen. Brüssel ist so ziemlich in allem das Gegenteil davon. Wahrscheinlich mag ich es deshalb so gerne.
Aber von vorne. Heute habe ich bei WordPress die Möglichkeit der Textverbesserung durch Künstliche Intelligenz entdeckt und es gleich mal ausprobiert. Ich habe einen kurzen Abschnitt eines aktuellen Entwurfs für meinen Blogbeitrag „Art Nouveau in Brüssel“ durch die KI verbessern lassen und zwar im Stil „leidenschaftlich“, denn tatsächlich wollte ich gerne meine Leidenschaft zur Stadt ausdrücken. Dabei ist etwas herausgekommen, das mir gar nicht gefallen hat. Viel zu kitschig und übertrieben… Vielleicht gefälliger als mein Textoutput, aber auch oberflächlicher. Wer sich dafür interessiert, hier eine Gegenüberstellung der beiden Texte:
Mein Text
Ich liebe Brüssel. Das habe ich schon in meinen uralten Blogbeiträgen vor 9 Jahren kundgetan und es hat sich nicht geändert. Sicher liegt es an den vielen schönen Art-Nouveau-Häusern, aber nicht ausschließlich. Ich mag diese bunte und spezielle Stadt einfach, Menschen aller Nationen bewegen sich in einer überaus interessanten Kulisse: Zum Beispiel das Europaviertel mit seinen modernen Hochhäusern und den ständig im Stadtbild auftauchenden hin- und hereilenden geschäftigen Politikerinnen und Politikern und deren viele Beschäftigte. Oder die mit Comicfiguren bemalten Fassaden im Zentrum. Aber auch die Schokolade kaufenden und Waffeln essenden Touristenhorden vor der imposanten barocken Fassadenfront der Grand Place. Man liest Schilder auf Französisch, Niederländisch und Englisch. Dazu die unterschiedlichen Sprachen der Zuwanderer und Reisenden und das anregende Chaos ist perfekt.
Es herrscht ein Trubel und Treiben und eine Internationalität, die mir gefällt. Vielleicht ist es das Flüchtige, der sich ständig wandelnde Moment, das nicht Festgezurrte, das nicht Immergleiche, was ich daran so gerne mag.
Der KI-Text
Ich bin zutiefst leidenschaftlich über Brüssel. Ich habe meine Liebe zu dieser herrlichen Stadt in meinen alten Blogbeiträgen von vor 9 Jahren zum Ausdruck gebracht, und dieses Gefühl hat sich nicht geändert. Es sind zweifellos die fesselnden Art-Nouveau-Gebäude, die mein Herz im Sturm erobert haben, aber es gibt noch so viel mehr daran. Brüssel hat mich mit seiner lebendigen und einzigartigen Atmosphäre verzaubert. Menschen aus allen Lebensbereichen, aus allen Teilen der Welt versammeln sich hier und sorgen für eine unglaublich faszinierende Kulisse.
Stellen Sie sich nur einen Moment lang das geschäftige Europaviertel vor, mit seinen modernen Wolkenkratzern und dem ständigen Strom von beschäftigten Politikern und deren engagierten Mitarbeitern, die hierhin und dorthin eilen. Oder stellen Sie sich das Zentrum der Stadt vor, verziert mit verspielten Fassaden, auf denen bunte Comicfiguren prangen. Und vergessen wir nicht die Menschenmassen von Touristen, die Schokolade naschen und Waffeln verschlingen, vor dem Hintergrund der imposanten barocken Fassaden des Grand Place. Überall begegnet man Schildern in Französisch, Niederländisch und Englisch. Die vielen Sprachen der Einwanderer aus aller Welt tragen dazu bei, die bereits lebhafte Atmosphäre mit zusätzlicher Vielfalt und Aufregung zu erfüllen.
Besteht Leidenschaft aus Adjektiven wie „herrlich“ und „lebhaft“? Jeder Mensch, der schreibt, weiß, dass man so nicht schreiben soll, weil es zu einer Klischeehaftigkeit des Textes führt und niemals den individuellen Blick widerspiegelt.
Als sich mein Ärger über die zukünftige allseitige Verwendung dieser künstlichen Schreibhilfe etwas gelegt hatte, fiel mir auf, dass mein eigener Text vielleicht einfach noch nicht ganz ausdrückt, was ich auszudrücken gedachte.
Es ist eben nicht das Schokoladen-, Bier- und Waffel-Brüssel der Touristen, auch wenn die Waffeln mir vorzüglich schmecken. Es ist ebenfalls keine Friede-Freude-Eierkuchen-Vielfalt, so wie die KI es beschreibt. Es ist mehr das Gebrochene, das Unperfekte, der Kontrast: die Müllsäcke auf der Straße und gleichzeitig in die Nase wehende blumige Parfüms vorbeieilender Passantinnen. Der Gegensatz aus unscheinbaren Siebzigerjahre-Hochhäusern neben dem Glanz mancher Art-Nouveau-Fassade (die aber auch nicht wirklich perfekt sind, sondern Risse haben oder teilweise mal einen neuen Anstrich brauchen würden). Oder die Antik-Shops mit muffigen Sesseln und überladenden Regalen – manchmal voller Kitsch. Der Typ in der Luxuskarosse, der die Autos vor ihm auf der Avenue Louise mit Hupen unter Druck setzt. Das alles ist nicht nur schön. Das alles beinhaltet auch die jeweiligen Schattenseiten. Ich heiße nicht automatisch alles gut daran oder verherrliche es. Ich sehe es nur, im Sinne von Erblicken und Betrachten und ich sehe das Ganze Wirrwarr nebeneinander und es ist für meine Augen und für meine Sinne wesentlich anregender als der von mir oben verunglimpfte genormte Designershop-Ort, der doch immer nur dasselbe darstellt an Bildern, die er erzeugt, und das überall auf der ganzen Welt in gleicher Art und Weise.
Für mich spiegelt so ein Ort wie Brüssel viel mehr den Menschen an sich wider, das Schwarz und Weiß und die vielen Töne dazwischen, und ich möchte niemals in einer Welt leben, die oberflächlich perfekt ist. Sie ist langweilig und öde. Brüssel ist es nicht.

