
Sehr empfehlen kann ich die Ausstellung der Werke des Malers Chaim Soutine (1893-1943) im K20 in Düsseldorf. Sie läuft noch bis zum 14.01.2024. Es handelt sich um einen außergewöhnlichen Künstler, der eine Sonderstellung hatte, z.B. weil er sich keiner Künstlervereinigung anschloss und quasi „gegen den Strom“ arbeitete. Modische Tendenzen interessierten ihn nicht.

Dieses Außenseitertum sieht man seinen Bildern auch an. Oft porträtierte er Existenzen am Rande der Gesellschaft wie Köche, Pagen oder Messdiener, außerdem malte er Landschaften und Bilder von geschlachteten Tieren. Das mag vielleicht verstörend klingen, doch die Bilder sind sehr expressiv und „mit dickem Farbauftrag und im furiosen Farbenrausch gemalt“ (Ausstellungstext).

Ich finde, sie haben eine seltsame Schönheit, die berührt. Ich persönlich sehe darin das Paradox, dass man – trotz gesellschaftlicher Randstellung – Schönheit in der Welt finden bzw. sie darstellen/ausdrücken kann, auch wenn alles auf den ersten Blick vielleicht nicht so schön anmutet, weder die Welt um einen herum noch die persönliche Lage. Es erinnert mich vom Prinzip her auch ein bisschen an das japanische ästhetische Konzept „Wabi-Sabi“: Das Schöne in den unscheinbaren und unvollkommenen Dingen zu sehen.

Chaim Soutine war so mittellos, dass er zeitweise sogar hungern musste (später wurde er vom amerikanischen Kunstsammler Albert C. Barnes entdeckt und fand zwei Mäzene, das Ehepaar Madeleine und Marcelin Castaing). Am Ende starb er an einem Magendurchbruch (vermutlich eine Folge seiner Magenprobleme während des Hungerns). Trotz allem ist da ein flammendes Leuchten in seinen Bildern, eine große Kraft und sehr viel Schönheit.
Info:
K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf


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