
Drei Jahre lang wurde das Museum Kunstpalast in Düsseldorf renoviert, nun präsentieren sich seit Ende November ausgewählte 800 Werke aus der über 130.000 Werken umfassenden Sammlung „im neuen Gewand“: In 49 Sälen und in chronologischer Reihenfolge aus 11 Jahrhunderten bieten sich dem Besucher u.a. Gemälde, Alltagsgegenstände und Schmuckstücke. In den eineinhalb Stunden, die mir für meinen Rundgang zur Verfügung standen, habe ich leider nicht alles geschafft, aber ich war wirklich begeistert von der Art der Präsentation und werde definitiv nochmal wiederkommen.
Mein persönlicher Eindruck ist, der Besuch lohnt sich für die verschiedensten Gruppen von Menschen:
1. Für Architektur-Interessierte: Schon allein wegen des Gebäudes Kunstpalasts als Teil des so genannten Ehrenhofs, welcher 1926 vom Architekten Wilhelm Kreis für die Ausstellung GeSoLei (Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen) geplant wurde. In diesem Artikel der Rheinischen Post findet man viele Informationen zur Architektur des Gebäudes, u.a. wird auch die oft gestellte Frage behandelt, ob es sich um Nazi-Architektur handelt, die ich zur Beruhigung aller schon mal mit einem „Nein“ beantworten kann.

2. Für Bauhaus-Interessierte: Es gibt einen eigenen Saal mit wirklich schön ausgestellten Möbeln und Gebrauchsgegenständen wie z.B. meinen Lieblingsstuhl von Mies van der Rohe S533. Die Farbe dieses Raums (Lachsrot) passt übrigens wunderbar zu den Gegenständen und lässt ein Bild von László Moholy-Nagy erstrahlen. Wunderschön präsentierte Objekte!


3. Für Menschen, die wie ich kürzlich das Thema „Kolonialismus“ entdeckt haben, gibt es einige sehr interessante Kunstwerke wie das imposante Werk „Erdtuch“ von El Anatsui (*1944) im Bronner-Saal. Es besteht aus lauter Aluminiumverschlüssen von Alkoholflaschen und „macht damit auf die Verstrickungen zwischen Afrika, Europa und Amerika aufmerksam“ (Text auf der Ausstellungstafel). Beim Sklavenhandel, den die damaligen Machthabenden betrieben, wurden die afrikanischen Beteiligten nämlich unter anderem mit Alkohol bezahlt. Ebenso erinnert es an die Umweltproblematik, an globalen Handel usw. In Verbindung mit dem gegenüberliegenden wunderschönen Peter-Paul-Rubens-Werk von der Himmelfahrt Mariens (aus genau der Zeit, in der die grausame Unterwerfung anderer Menschen zu Sklaven stattfand) tun sich – zumindest nach meinem Verständnis – Abgründe auf. Auch wenn es scheinbar eher Zufall ist, dass diese beiden Kunstwerke hier quasi miteinander hängen, denn nur der Bronner-Saal bietet laut Ausstellungstafel ausreichend Platz für sie. Auch einige andere Kunstwerke, wie das der jungen Künstlerin Talisa Lallai (*1989), die sich mit der westlichen Wahrnehmung des „Exotischen“ auseinandersetzt, finde ich unglaublich bereichernd. Ich habe es noch nie aus diesem Blickwinkel betrachtet.



4. Für die Generation, die in den 1960er-Jahren und Anfang der 1970er jung war: Den Nachbau des legendären Künstler-Clubs „Creamcheese“. Dieser lässt seltsamerweise auch bei mir nochmal Erinnerungen an meine Kindheit/frühe Jugend wachwerden, Musik und Einrichtung könnten meiner Ansicht nach auch aus den 1980er-Jahren stammen…

5. Für Menschen mit Interesse an klassischer Malerei gibt es natürlich ebenfalls viel zu sehen, u.a. einen eigenen Saal mit den Werken der Düsseldorfer Malerschule! Ich bin mir ziemlich sicher, meine Großmutter wäre von diesem Saal begeistert gewesen.

6. Und zu guter Letzt: Die lieben Kleinen kommen auch nicht zu kurz. Ich habe es selbst nicht mehr geschafft, aber es gibt vier Sonderräume mit dem Namen „Rhino Palast“, in denen Christoph Niemann optische Illusionen entworfen hat, die Klein und Groß gleichermaßen erfreuen.
Darüber hinaus gab es so viele besondere einzelne Kunstwerke, die ich hier alle gar nicht aufführen kann. Zum Beispiel dieses wunderschöne Bild mit den beiden Mädchen. Oder das des schlafenden Kindes, wo mir der Schreck in die Glieder fuhr, so täuschend echt ist es. Alle Werke sind übrigens auch digital verfügbar, wer keine Zeit hat, guckt sich vielleicht mal das ein oder andere auf dem Sofa an, den Link dazu schreibe ich die Info-Liste. 🙂


Infos:
- Museum Kunstpalast
- Digitale Sammlung des Kunstpalast
- Über die Architektur des Ehrenhofs in der Rheinischen Post


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