Ausstellungstipp: „Die große Verführung. Karl Ernst Osthaus und die Anfänge der Konsumkultur“ im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld (noch bis zum 28.04.2024)

Werbeplakat für eine Zeitschrift

Karl Ernst Osthaus (1874-1921)

Karl Ernst Osthaus

Karl Ernst Osthaus (1874 – 1921) war ein wichtiger Kunstmäzen und Kunstsammler, verantwortlich für den so genannten „Hagener Impuls“. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf ihn zurückkommen, denn in seiner Geburtsstadt Hagen befinden sich einige sehenswerte (und von ihm initiierte) Jugendstil-Gebäude, die ich erneut zu besichtigen gedenke. 😉 Doch zurück zur Ausstellung.

Made in Germany – Ästhetisch minderwertig!

Ende des 19. Jahrhunderts war mit dem Label „Made in Germany“ tatsächlich eine Warnung verbunden. Großbritannien hatte ein Herkunftsetikett eingeführt, um vor dem Kauf ausländischer Produkte zu warnen. Alles was aus Deutschland kam, galt nicht nur ästhetisch, sondern auch als qualitativ minderwertig. Eine ökonomische Katastrophe für das Deutsche Reich, wie man sich vorstellen kann. Überall in Deutschland entstand Reformeifer, der eine Verbesserung der Produkte anstrebte.

Typische Historismus-Einrichtung, überladen möbliert (Wohnzimmer der Fürsten Anhalt, um 1895)
Jugendstil-Speisezimmer im Haus Behrens in Darmstadt (1901)

Deutsches Museum für Kunst in Handel und Gewerbe

Karl Ernst Osthaus wollte an der Reform und Neubewertung der deutschen Produkte auf dem internationalen Markt mitwirken. Er gründete 1909 das Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe, das durch Wanderausstellungen vorbildliches Kunstgewerbe vorstellen wollte. Das gesamte Spektrum zeitgenössischer gewerblicher Gestaltung, von Glas- und Keramikobjekten bis hin zur so genannten Reklamekunst, sollte gesammelt und ausgestellt werden. Und genau das können wir heute in der Krefelder Ausstellung sehen, denn nach seinem Tod gelangte die Sammlung in den Besitz des Kaiser Wilhelm Museums.

Damalige Reklamekunst
Kaffeedosen und Schatullen
Wunderschöne Kerzenleuchter und Standuhr
Einbauküche im Palais Stoclet (hier habe ich über das Palais geschrieben)

Für und Wider

Wie der Titel der Ausstellung schon andeutet, wird auch das Für und Wider unserer Konsumkultur angesprochen. Einige Menschen, die bereits damals Kritik am aufkommenden Massenkonsum übten, werden neben denen, die „Schönheit für alle“ schaffen wollten, zitiert, was die Ausstellung interessant und komplex macht. Ich selbst finde mich ebenfalls in einer Art inneren Zerrissenheit wieder: Die Schönheit eines Hauses oder einer ästhetisch gelungenen Einrichtung kann mich geradezu betören und glücklich machen, andererseits haben unsere Konsumwünsche heutzutage ein Ausmaß angenommen, das vielleicht ein bisschen „drüber“ ist, Stichwort Öko-Folgen. Darüber hinaus werden natürlich auch andere Auswirkungen unserer Konsumkultur kontrovers diskutiert, schön zusammengefasst unter dem Begriff „Konsumismus“, wer sich dafür interessiert. 😉 Zusammengefasst: Eine lohnenswerte Ausstellung!

Infos:

  • Kunstmuseum Krefeld: Kaiser Wilhelm Museum
  • Adresse: Joseph-Beuys-Platz 1, 47798 Krefeld (in der Innenstadt von Krefeld)

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