Ausstellungstipp: „Hilma af Klint und Wassily Kandinsky Träume von der Zukunft“ im K20 in Düsseldorf (16.03. – 11.08.2024)

Habt ihr schon mal von Hilma af Klint (1862-1944) gehört? Ich auch nicht! 😉 Das Werk der schwedischen Künstlerin wurde erst kürzlich wiederentdeckt, also: kein Wunder! Dennoch ist sie eine höchst interessante Person: Zusammen mit Wassily Kandinsky gilt sie als Pionierin der abstrakten Kunst! Beide werden nun in der Ausstellung im Düsseldorfer K20 zum ersten Mal zusammen gezeigt, Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden dargestellt.

Von der Außenseiterin zu einer der herausragendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts

Das muss man sich mal vorstellen: Zeit ihres Lebens war ihre Arbeit nicht von Erfolg gekrönt, sie verlor dennoch nicht den Glauben an sich selbst und ihre Lebensaufgabe – und schuf 1906/07 (in etwa zeitgleich mit Kandinsky 1910/11) als einer der ersten Menschen abstrakte Bilder! Von denen die Welt damals keinerlei Notiz nahm. Was für eine persönliche Stärke sie besaß!

Okkultismus und Theosophie

Altarbild Nr. 1, Gruppe X, 1915/Hilma af Klint

Hilma af Klint war beeinflusst von okkulten Ideen und dem Spiritismus der damaligen Zeit. „Höhere Kräfte“ waren ihrer Ansicht nach an der Bildfindung beteiligt. Sie hatte auch Kontakt mit Rudolf Steiner (auf den ja u.a. die anthroposophische Medizin und die Waldorfpädagogik zurückzuführen sind) und wurde Mitglied der theosophischen Gesellschaft, einer Organisation, die sich mit mystischen und spirituellen Lehren befasst.

Die Zehn Größten – Evolutionsbilder

Diese beeindruckende Serie mit insgesamt zehn Bildern schuf Hilma af Klint 1907. Auf riesigen Leinwänden werden Lebensstadien dargestellt: Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter und das hohe Alter.

Die Zehn Größten/Hilma af Klint

Höhepunkt der Ausstellung: Der spiralförmige Tempel mit ihren Werken

Unabhängig davon, ob man ebenfalls spirituell veranlagt ist oder nicht, bietet die Ausstellung neben den farbenfrohen und faszinierenden Bildern auch ein tolles Virtual-Reality-Erlebnis. Mir hat diese „kosmische Reise ins Licht“ – über Felder mit tausenden von Sonnenblumen hinweg – bis hin zu einer virtuellen Gemäldegalerie, in der die geometrischen Formen aus Hilma af Klints Werken heraustreten, herumschweben und wieder zurückkehren, unglaublich gut gefallen. Es war, als ob die virtuelle Fantasie einen Hauch von Hilma af Klints Geist und ihrer Vorstellungskraft vermitteln würde, so habe ich es zumindest empfunden.

Virtuelle Galerie (Menschen mit VR-Brillen links im Bild)

Der Schwan

Es gibt wirklich viel zu entdecken in der Ausstellung, natürlich auch viele tolle Bilder von Wassily Kandinsky, doch ich möchte noch kurz die Bilderserie „Der Schwan“ von Hilma af Klint erwähnen (Beginn 1914, nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs):

Der schwarze und der weiße Schwan, die absoluten Gegensätze, die gegeneinander kämpfen, verwandeln sich von Bild zu Bild mehr. Aus gegenständlichen Figuren werden abstrakte Figuren, die Gegensätze vereinigen sich und aus Kampf wird Harmonie. Hilma af Klint war der Ansicht, der Geist habe die Macht, die Welt neu zu begreifen, sie hielt nichts vom Kult um Stärke und Gewalt, wie er damals herrschte. Sie schrieb, „dass es eines Tages ein Geschlecht geben könne, dass auf seinen schwachen Schultern die Entwicklung vorantreiben könne“. Was für eine schöne Vorstellung, dass irgendwann mal die eher sanften, behutsameren Naturen was zu sagen haben… 😉

Infos

  • Kunstsammlung NRW
  • Bitte beachten: Am Anfang der Ausstellung befindet sich auf der ersten Tafel ein QR-Code zum Abscannen! Ich habe das nicht gleich gesehen, doch über den QR-Code kann man (kostenlos) den Audioguide mit den Beschreibungen zu den Kunstwerken hören (übrigens gesprochen von der Schauspielerin Anna Schudt und dem Schauspieler Moritz Führmann, die sehr angenehme Stimmen haben).

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