Der Kölner Dom – Ein Meisterwerk der Gotik

Oh je… das ist aber voll hier! Langsam nähere ich mich der Domplatte in Köln und schiebe mich durch das Gewusel Hunderter fröhlich quatschender Menschen. Manche von ihnen recken ihre Hälse in die Höhe und bestaunen den Dom. Seine schiere Größe ist aber auch wirklich überwältigend! Es ist Samstag und einer dieser ersten Frühlingstage: Die Sonne scheint, ein laues Lüftchen weht und ein Seifenblasen-Künstler zaubert den Kindern ein zaghaftes Lächeln ins Gesicht. Alle sind gut drauf. Nur ich nicht. Mir ist das heute eindeutig zu überlaufen. Ich hätte mir eine ruhigere, etwas feierlichere Atmosphäre für meinen Besuch in dem berühmten Bauwerk gewünscht.

Aber man kann eben nicht alles haben…, denke ich und reihe mich brav in die lange Schlange vor dem Westportal ein. Auf irgendeiner Webseite stand der Tipp, ganz frühmorgens hierher zu kommen, möglichst schon um 6.00 Uhr, wenn die Kirche ihre Tore öffnet. Aber das, worum es mir geht, hätte ich dann nicht bekommen. Das, was ich heute erleben möchte, ist das „magische, gotische Lichterlebnis“, also der Moment, wo das Sonnenlicht durch die riesigen bunten Domfenster fällt und mir möglichst eine Ahnung von dem vermittelt, was die Menschen im Mittelalter beim selben Anblick gefühlt haben müssen. Und das gibt es eben nur zur Mittagszeit.

Südportal mit plastischem Schmuck

Ostseite

Doch von vorne. Neulich stieß ich auf die Gotik, also die Kunst- und Architekturepoche zwischen Mitte des 12. Jahrhunderts und dem frühen 16. Jahrhundert. Erstens hatte ich die gotische Marienkirche in Osnabrück besucht und zweitens las ich ein Buch über die Arts-and-Crafts-Bewegung (ca. 1860-1920), die ja maßgeblich für die Ideen der Jugendstil-Epoche war. Die Arts-and-Crafts-Leute fanden die Gotik nämlich total toll. Sie hatten was gegen die Industrialisierung und ihre seelenlosen, in Serie gefertigten Massenprodukte und stellten sich vor, dass es im Mittelalter ganz anders gewesen musste. Damals gab es noch die gute alte Handwerkskunst, dachten sie und die Leute waren zufriedener, weil sie nicht nur in normierter Arbeitsteilung einen kleinen Teil eines Produktes herstellten (wie es in den Fabriken der Zeit der Arts- und Crafts-Leute der Fall war), sondern ganze, im wahrsten Sinne „handgemachte“ (manufakturierte) Werkstücke, was bedeutete, dass sie die Früchte ihrer Arbeit direkt erleben konnten. Und was für tolle Kathedralen dabei erschaffen wurden, überlegten sie sich, gotische Meisterwerke, die auch heute noch unglaubliche Beispiele für individuelle Handwerkskunst waren!

Kurzum, sie verherrlichten das Mittelalter und stellten sich vor, dass dort alles viel besser gewesen sei: die Arbeit, das Leben und überhaupt. Und das ging nicht nur ihnen so. Auch viele andere Menschen und Baumeister ihrer Epoche wussten die Bauwerke der Gotik plötzlich wieder zu schätzen. Zwischen 1830 und 1900 gab es ein Revival der Gotik: „Gothic Revival“ nennt man es England. Bei uns heißt die Wiederaufnahme von gotischen Formen „Neogotik“ und gehörte zum damals herrschenden Historismus, der sich ja an den verschiedensten Epochen bediente (Neobarock, Neorenaissance usw.). Wir kennen das. Auch bei uns ruft plötzlich irgendwas aus der Vergangenheit Begeisterungsstürme hervor: Mode, Musik… Ich aber war durch die Arts- und Crafts-Begeisterung neugierig geworden. Jetzt wollte ich endgültig wissen, was es mit der Gotik auf sich hat.

Gotik

Vor der Gotik war die Epoche der Romanik und nach der Gotik kam die Renaissance. Innerhalb der europäischen Gotik unterscheidet man noch zwischen Früh-, Hoch- und Spätgotik. Das alles spielte sich in der Zeit zwischen Mitte des 12. Jahrhunderts und dem frühen 16. Jahrhundert ab, also dem Mittelalter.

Der Begriff „Gotik“ war ein aus der Italienischen Renaissance stammender, ursprünglich abwertend gemeinter Begriff und bezog sich auf den germanischen Volksstamm der Goten, die in der Völkerwanderungszeit Rom geplündert hatten und folglich bei den Italienern in keinem guten Ruf standen. Erst mit Goethe setzte eine positive Bewertung der gotischen Baukunst ein. Er studierte damals in Straßburg und war überwältigt vom Anblick des Straßburger Münsters: „Mit welcher unerwarteten Empfindung überraschte mich der Anblick, als ich davor trat. Ein ganzer, großer Eindruck füllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonierenden Einzelheiten bestand, ich wohl schmecken und genießen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte. Sie sagen, dass es also mit den Freuden des Himmels sei, und wie oft bin ich zurückgekehrt, diese himmlisch-irdische Freude zu genießen, den Riesengeist unsrer älteren Brüder in ihren Werken zu umfassen.“ Er schrieb den Text „Von deutscher Baukunst“ (1772), aus dem das Zitat stammt, und nahm damit Einfluss auf eine Neubewertung, von der eben auch die Arts-and-Crafts-Bewegung erfasst wurde.

Lichteffekte des Richter-Fensters oberhalb der Spitzbögen

Eine kurze Darstellung der langen Geschichte des Kölner Doms

Der Kölner Dom ist wohl das bekannteste und eindrucksvollste gotische Bauwerk in Deutschland und strotzt vor Superlativen: Für einige Jahre war er mit seinen 157 Meter hohen Türmen das höchste Gebäude der Welt. Das Gerokreuz ist eins der ältesten erhaltenen Großkruzifixe nördlich der Alpen (aus dem Ende des 10. Jahrhunderts stammend). Und das Chorgestühl ist das größte in Deutschland (weitere Rekorde siehe hier).

Wie viele vielleicht wissen, ist der Kölner Dom der Aufbewahrungsort der (vermeintlichen) Gebeine der Heiligen Drei Könige. Als Kriegsbeute gelangten sie im Jahr 1164 vom Mailänder Dom nach Köln. Aufgestellt wurden sie zunächst im alten karolingischen Dom, aber immer mehr Menschen wollten den Dreikönigenschrein sehen, also fasste man den Plan, eine größere Kirche zu bauen. Die Bauzeit des heutigen Kölner Doms erstreckte sich insgesamt über unglaubliche 600 Jahre, von 1248 bis 1880! Schuld daran war ein Baustopp ab 1520. Die Reformation kam dem Weiterbau in die Quere. Die Ablasszahlungen der Gläubigen, die für die Finanzierung des Baus maßgeblich waren, brachen durch Martin Luthers Kritik am Ablasswesen ein (Wir erinnern uns: Ablasshandel = Geld gegen Sündenerlass). Auch wurde die Gotik nicht mehr so geschätzt. Die italienische Renaissance breitete sich langsam gen Norden aus, so dass den Kölnern 300 Jahre lang ein halbfertiger Dom mit einem provisorischen Dach als Kirche dienen musste. Erst im Jahr 1842 beauftragte der damals im Rheinland herrschende preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Weiterbau, also genau in der Zeit, in der die Gotik wieder hohes Ansehen genoss (Ich erinnere an das „Gothic Revival“). Zwei Drittel der Baukosten übernahm der 1842 gegründete bürgerliche Zentral-Dombau-Verein. Nach weiteren 38 Jahren Bauzeit wurde der Kölner Dom schließlich 1880 im Beisein von Kaiser Wilhelm I. eingeweiht. Der preußische König war natürlich kein Katholik, sondern Protestant. Doch man sah das mächtige prächtige Bauwerk seinerzeit wohl weniger als theologisches Symbol, das die Vollkommenheit Gottes darstellte, sondern mehr als ein nationales, welches das junge Deutsche Reich (Gründung: 1871) in seiner Einigkeit und Stärke verkörpern sollte. In dieser Hinsicht priesen es jedenfalls die Festredner am Einweihungstag. Und ein Kirchenchor hob an mit „Nun danket alle Gott“, einem protestantischen Kirchenlied… (siehe Geo Epoche Edition, Gotik. S.49).

Dreikönigenschrein

Ein Abt als Initiator: Ursprünge der Gotik in Frankreich

Natürlich gibt es auch zahlreiche andere gotische Bauwerke, die ebenfalls einen Besuch wert sind: Das Freiburger Münster, der Magdeburger Dom, das historische Rathaus in Münster… Die Liste ist lang. Viele Jahre wurde die Gotik als typisch deutsch, also deutschen Ursprungs gesehen, was aber nicht richtig ist, denn Frankreich ist der eigentliche Ursprungsort. Abt Suger in Saint-Denis nahe Paris gilt quasi als geistiger Initiator der Gotik. Er war an den Planungen der Abteikirche in Saint-Denis entscheidend beteiligt. Dort wurden erstmals verschiedene, bereits existierende Architekturelemente zu einer neuen Form zusammengefügt. Strebewerk und Rippengewölbe (siehe Bildbeispiele unten) tauchten zwar schon hier und da in der vorherigen Epoche der Romanik auf. Auch der Spitzbogen, der aus der islamischen Architektur stammt, wurde ab und an in der Romanik verwendet. Erst aber der Zusammenschluss von Kreuzrippengewölbe, Spitzbögen und Strebewerk ermöglichte höhere Bauten, denn die kreuzenden Rippen leiteten den Lastendruck auf die Pfeiler über Strebebögen nach außen ab. So konnte man auf massive Mauern verzichten und stattdessen hohe Fenster einbauen – und nicht zuletzt immer höher bauen. Eine neue Architektursprache entwickelte sich: ein in die Höhe strebendes, lichtdurchflutetes, filigranes Gesamtkunstwerk. Um es mit Abt Sugers Worten zu sagen: „Edel erstrahlt das Werk, doch das Werk, das edel erstrahlet, möge erleuchten die Geister, dass sie eingehen … zum wahren Licht, wo Christus das wahre Tor ist.“

Lichteindrücke wie Abt Suger sie beabsichtigte
Kreuzrippengewölbe mit Spitzbögen
Strebepfeiler mit Strebebögen = Strebewerk
Durch den Verzicht auf massive Mauern sind große Fensterflächen möglich

Was es mit der Lichtmetaphorik auf sich hat

Als ich nun endlich hinter der aufgeregt schwatzenden Truppe aus jungen Spanierinnen und Spaniern in den Dom trete – neugierig auf die Sache mit dem Licht -, entfährt mir ein kleiner Seufzer. Hier sieht es nämlich auch nicht anders aus als draußen: Tausende Menschen schlendern in der Kathedrale umher und betrachten interessiert das fünfschiffige Langhaus mit den imposanten Strebepfeilern, Spitzbögen und Kreuzrippengewölben, die eben charakteristisch für das Wesen der Gotik sind. Sie tummeln sich vor den vielen Kapellen im Chorumgang (der Chor ist der Bereich hinter dem Altar) und bestaunen die zahlreichen schmalen hohen Kirchenfenster mit den biblischen Geschichten. Es ist ein überwältigender Raumeindruck. Allein die Höhe ist gigantisch, automatisch legt man den Kopf in den Nacken und schaut himmelwärts. Und ja doch: Das Sonnenlicht lässt die Bleiglasfenster tatsächlich wunderbar erstrahlen. Es flutet sie von außen und bringt das Rot, Blau, Gelb darin intensiv zum Leuchten, besonders im Kontrast zu den dunkleren Flächen der Pfeiler. Die Fenster scheinen geradezu Kraft auszustrahlen. Das alles kann man gut wahrnehmen, obwohl es voll ist und man aufpassen muss, wo man hintritt.

Licht und Schatten

Aber natürlich sind wir heutzutage an eine bunte Bilderwelt gewöhnt, lassen täglich Hunderte davon über unsere Mini-Bildschirme in die Köpfe fließen. Für die Menschen damals muss der Farb- und auch der Größeneindruck der gotischen Dombauten noch viel überwältigender gewesen sein. Sie hatten nämlich gar nicht so viel Glanz und Glitzer in ihrer Welt und auch keine so hohen Gebäude wie wir heutzutage. Ihre Straßen waren grau und schmutzig und stanken vom Unrat. Die schiefen Fachwerkhäuser bzw. schlichten Lehmbauten waren oft nur zwei Stockwerke hoch (Karin Sagner: Wie erkenne ich? Die Kunst der Gotik. S.16).

Folglich müssen die riesigen Kathedralen mit ihrer Lichtarchitektur (in Frankreich: Chartres, Reims, Amiens, Notre-Dame) in den damaligen Menschen überwältigende Sinneseindrücke ausgelöst haben. Und genau das war auch der Sinn der Sache. Denn diese prächtigen Kirchenbauten der Gotik sollten ein irdisches Abbild für das „Neue Jerusalem“ sein, so wie es in der Offenbarung des Johannes (21, 11-18), dem letzten Buch der Bibel, beschrieben wird: „Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die Heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott, die hatte die Herrlichkeit Gottes; ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall (…) Und ihr Mauerwerk war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas.“

Ein bisschen golden sieht es tatsächlich aus, oder?

Leider erlebe ich heute so ein überirdisch angehauchtes, geradezu magisches Phänomen nicht, dafür müsste die Kathedrale vielleicht doch etwas leerer sein. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass dieser Ort damals so etwas ausgelöst hat. Für die Kirchenerbauer aber spielten nicht nur die theologische Symbolik, sondern auch ganz weltliche Ziele bei der Errichtung der gigantischen Kathedralen eine Rolle: Sie sollten den Reichtum und die Macht verkörpern, die der Klerus hatte. Neben dem Klerus hatte übrigens auch das junge Bürgertum der damals neu entstehenden Städte Anteil am Bau der Kathedralen: durch Finanzierung, Verwaltung und handwerkliche Durchführung von Projekten der Baukunst, Skulptur und Malerei (Karin Sagner: Wie erkenne ich? Die Kunst der Gotik. S.11). Wie die Baumeister, Steinmetze und Bildhauer der so genannten Bauhütten das alles im Mittelalter ohne unsere heutigen technischen Hilfsmittel bewerkstelligen konnten, kommt einem heutzutage ja immer noch bemerkenswert vor… Unfälle waren wohl an der Tagesordnung. Und aufgrund fehlender statischer Berechnungen stürzte auch hier und da etwas ein: In der Kathedrale von Beauvais fiel 1573 beispielsweise der ganze Turm in sich zusammen. Der Wagemut ist vielleicht auch einer der Gründe für die bis heute anhaltende Faszination dieser Bauwerke.

Ups. Jetzt bin ich doch tatsächlich meinem Hintermann auf den Fuß gestiegen, oh Pardon. Dabei fällt mir der schöne Mosaikboden auf, der 1885 bis 1899 von Villeroy & Boch nach Entwürfen von August Essenwein u.a. in der Vierung (wo sich Haupt- und Querschiff treffen) verlegt wurde. Doch schon werde ich von hinten weiter gedrängt. Ich bahne mir einen Weg zum allseits bekannten „Richter-Fenster“, das vom bekannten Künstler Gerhard Richter entworfene Südquerhausfenster.

Verspottet und vergöttert: Das Dom-Fenster von Gerhard Richter

Als es 2007 im Rahmen einer Messfeier eingeweiht wurde, rief es kontroverse Reaktionen hervor. Die einen sprachen von „Badezimmer-Touch“ und „Wirtshausverglasung“, die anderen lobten die „überwältigende Farbenfülle“ und priesen es als „Symphonie des Lichts“ (siehe Wikipedia-Artikel). Kardinal Meisner fand, es passe besser in eine Moschee und wollte gar seinen Bischofsstuhl versetzen lassen um es nicht sehen zu müssen. Mir gefällt es. Ich habe einen guten Zeitpunkt erwischt an dem genau die Sonne drauf fällt. Nur das Foto gelingt mir nicht so richtig. Die Kamera scheint die Gegenlicht-Situation mit den vielen kleinen quadratischen Glasscheiben (in 72 aus anderen Domfenstern herausgelesenen Farbtönen), von weitem nicht zu bewältigen. Nur wenn man näher rangeht, funktioniert es. Die Anordnung der Farben hat der Künstler von einem Zufallsgenerator erstellen lassen, dabei aber verschiedene Reihen gespiegelt, so dass sich Farbfolgen wiederholen und es nicht zu unruhig wird. An derselben Stelle hing vorher ein Fenster, das 1863 vom preußischen König Wilhelm I. gestiftet wurde, aber im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Es zeigte drei heilige Herrscher und drei heilige Bischöfe, konnte aber wegen fehlender Unterlagen nicht rekonstruiert werden. Die schlichte Ornamentverglasung, die 1948 eingesetzt wurde, war zu farblos und blendete die Gläubigen. Das Richter-Fenster erfreut sich heutzutage bei den Besuchern großer Beliebtheit. Mir erscheint es wie eine moderne Variante dessen, was die Bauleute der Gotik im Sinn gehabt haben: Es strahlt und leuchtet sozusagen direkt in einen hinein.

Das Richter-Fenster von weitem
… und von der Seite

Ein Farbspektakel

Zu viele visuelle Eindrücke

Ich schlendere noch ein bisschen umher und kann die vielen visuellen Eindrücke gar nicht alle auf einmal erfassen. Öfter schon bin ich hier gewesen, aber nie zuvor habe ich die überwältigende Fülle und Qualität der handwerklichen Arbeiten in der Form wahrgenommen. Der Dreikönigenschrein befindet sich hinter einer Absperrung, aber seine goldenen und silbernen Figuren strahlen einige Meter weit. In den Chorkranzkapellen hinter dem Hochaltar befinden sich verschiedene Grabdenkmäler. Die zahlreichen Glasfenster im insgesamt 144 Meter langen Hauptschiff kann man kaum bewältigen – will man all ihre Details erfassen. Und dann gibt es ja noch die Domschatzkammer und die unzähligen wunderschönen Portale auf der Außenseite. Besteigen kann man auch den Turm für einen Blick über Köln. Ich denke, all das lässt sich nur in mehreren Etappen anschauen und am besten informiert man sich bereits vorher. In der Kathedrale liegen für zwei Euro kleine Infobroschüren aus, die sich auf das Wichtigste beschränken. Auch die Webseite bietet viele Informationen. Ganz unten gibt es die Rubrik „Erleben“ und das Stichwort „Kunstwerke“. Dort kann man sich schon vorab mit einigen Dingen befassen, zum Beispiel mit der Mailänder Madonna.

Fazit: Um den Kölner Dom in seiner ganzen Herrlichkeit als gotisches Bauwerk, heilige Kirche und Ort mit wertvollen Kunstwerken zu erfassen, müsste man sicherlich noch viele Male hierherkommen und das möglichst zu unterschiedlichen Zeiten. Aber das, worum es mir persönlich heute ging, die Fenster und der Gesamteindruck der Gotik, das habe ich in Augenschein nehmen können und das zu meiner Zufriedenheit. Hier noch ein paar Bildeindrücke von außen…

Wasserspeier für die Ableitung des Regenwassers
Ein handwerkliches Meisterwerk!

Nachtrag

Als ich im Zug sitze (der Kölner Hauptbahnhof befindet sich ja praktischerweise direkt neben dem Dom), blättere ich noch einmal in einem der Bücher über die Gotik herum. Was steht da? „Das soziale Leben spielte sich im Mittelalter hauptsächlich im Freien, zum Beispiel vor den Kirchen und Kathedralen ab, fand aber mit öffentlicher Rechtsprechung, Viehhandel, Hochzeiten, Festempfängen von weltlichen und kirchlichen Würdenträgern auch darin statt“ (Karin Sagner: Wie erkenne ich? Die Kunst der Gotik. S. 66). Wie bitte? Das ist ja ein Ding… Dann war es vielleicht gar nicht so anders früher und es gab unter Umständen viel seltener eine feierliche Atmosphäre als ich gedacht hatte. Möglicherweise existierte ja damals auch eine Besucherin, die sich ein magisches Lichterlebnis vorgestellt hatte, dann aber zu abgelenkt war – von muhenden Kühen! Dann doch lieber die schwatzenden Menschen! 😉

Infos

  • Kölner Dom (Webseite mit allen Infos für Besucherinnen und Besucher)
  • Domführungen (Webseite mit Terminen)
  • „Als Kardinal Meisner einen Wutausbruch bekam“ (Artikel über das Richter-Fenster)
  • Gescheiterte Gigantomanie“ (Artikel über den Einsturz der Kathedrale von Beauvais)
  • Geo Epoche Edition: Gotik (Geschichtsmagazin, Gruner & Jahr, 2022)
  • Karin Sagner: „Wie erkenne ich? Die Kunst der Gotik“ (Buch, Belser Verlag, 2003)
  • Francesca Prina: „Geschichte der Architektur. Gotik“ (Buch, Prestel Verlag, 2011)
  • Wilfried Koch: „Baustilkunde“ (Buch, Bertelsmann Lexikon Verlag, 2009)

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