Ausstellungstipp: „Schöne neue Arbeitswelt. Traum und Trauma der Moderne“ im LVR-Landesmuseum Bonn (nur noch bis zum 12.04.26!)

Die Zeiten ändern sich: Neue Technologien wie zum Beispiel die künstliche Intelligenz können im hohen Maße kreative menschliche Arbeit ersetzen und viele fragen sich, ob sie ihren Beruf bis zum Ruhestand werden ausüben können. Ähnlich drastische Umbrüche gab es in der Zeit zwischen 1890 und 1940, als der technische Fortschritt eine hauptsächlich agrarisch geprägte Gesellschaft rasant in eine industrielle umwandelte; die „Moderne“ hielt Einzug.

Conrad Felixmüller, Hochofenarbeiter, 1927

Wie Künstlerinnen und Künstler damals damit umgingen, wie sie die neuen Fabriklandschaften in ihren Bildern darstellten, auf soziale Missstände aufmerksam machten und neue Berufsgruppen in die Malerei Eingang fanden, lässt sich noch für ein paar Tage in der sehenswerten Ausstellung im LVR-Landesmuseum in Bonn (direkt hinterm Hauptbahnhof) erfahren. Besonders gefallen haben uns bei unserem Besuch am Karfreitag die interaktiven Angebote, die einen Bogen vom Gestern ins Heute schlugen.

Passend zum Thema noch ein Zitat von John Ruskin (1819-1900), dem Schriftsteller, Kunstkritiker und Sozialreformer der Arts-and-Craft-Bewegung aus seinem Text „Der Leuchter des Lebens“ (1849): „Solange aber Menschen als Menschen arbeiten und mit Herz und Seele ihre Äußerstes hingeben, solange zählt es nicht, dass sie möglicherweise ungeschickt arbeiten, es wird an dem, was sie behandelt haben ein gewisses Etwas sein, das nicht bezahlt werden kann: man wird erkennen, dass einige Stellen mehr Freude gemacht haben als andere – dass ein Innehalten, ein Überlegen, ein Sorgen und Sehnen dabei war; und dann werden auch vernachlässigte Stellen kommen, und feste und flotte und flüchtige; dort wird ein Meißel hart, hier leichter und da wieder schüchterner eingeschlagen haben; und wenn des Menschen Geist mit seinem Herzen zugleich bei der Arbeit war, so werden alle Hammerschläge an der richtigen Stelle sitzen. Eins wird das andere verstärken und herausbringen. Der Gesamteindruck wird im Vergleich zum gleichen Gegenstand, der von der Maschine oder einer leblosen Hand geschnitten ist, etwa dem einer Dichtung ähnlich sein, die tief empfunden und gut gelesen wird, anstatt dass dieselben Verse heruntergeleiert werden. Es gibt viele, die den Unterschied nicht bemerken, aber für die, welche die Dichtung lieben, ist er alles; lieber sie gar nicht hören, als schlecht vorgetragen. Ebenso ist für die, welche die Architektur lieben, Leben und Betonung der Hand alles. Lieber kein Ornament als ein schlecht geschnittenes, d.h. ein tot-geschnittenes. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: nicht das grobe, nicht das schwere, nicht das stumpfe Schnitzen muss notwendigerweise schlecht sein; aber das „kalte“ Schnitzen – der Schein von gleicher Mühe und Mühelosigkeit überall – die glatte, verteilte Ruhe herzloser Peinlichkeit, die Regelmäßigkeit eines Pfluges über ebenem Acker. Der frostige Eindruck tritt wahrscheinlicher sogar bei vollkommen durchgeführter als bei irgend einer andern Arbeit hervor – im Vollenden erkalten und ermatten die Gefühle der Menschen“ (Aus: „Ästhetik der schönen Genügsamkeit oder Arts & Crafts als Lebensform. Programmatische Texte, erläutert von Gerda Breuer“. Vieweg Verlag 1998).

Hans Baluschek, Großstadtlichter, 1931

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