Ausstellungstipp: „Das ist kolonial. Westfalens (un)sichtbares Erbe“ (bis zum 26.10.2025) in der Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen

Was ist eigentlich Kolonialismus?

Eine wirklich aufschlussreiche und informative Ausstellung für alle, die sich für Kolonialismus interessieren, habe ich vor kurzem in Dortmund besucht. Da viele Jahre lang nicht über das Thema gesprochen wurde, zunächst nochmal eine kurze Erklärung, worum es geht: Kolonialismus ist laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de) „Die Ausdehnung der Herrschaftsmacht europäischer Länder auf außereuropäische Gebiete mit dem vorrangigen Ziel der wirtschaftlichen Ausbeutung“.

Wikipedia beschreibt es noch krasser: „Als Kolonialismus wird die Inbesitznahme auswärtiger Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der ansässigen Bevölkerung durch eine Kolonialherrschaft bezeichnet“.

Das alles betrifft mit Blick auf Deutschland die Zeit von 1884 bis 1919. Das damalige Deutsche Kaiserreich besetzte Gebiete in Afrika, China und der Südsee. Es spielten zwar auch die Verbreitung des christlichen Glaubens und der Handel eine Rolle, aber im Vordergrund stand klar die Vermehrung des Reichtums der Kolonialherren. Oft war damit der Glaube an eine grundsätzliche kulturelle Überlegenheit verbunden. Beteiligt waren unterschiedlichste Gruppen: Industrielle, Kaufleute, Soldaten, Missionsangehörige, Bauern, Händler.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte weltweit schrittweise eine Dekolonisierung, das heißt, die Kolonien erlangten nach Beendigung der Fremdherrschaften ihre Selbstständigkeit (zurück). Dennoch hatte und hat die Kolonisierung langfristige Folgen, denn es „blieben aufgrund der geschaffenen Strukturen (künstliche Grenzen, mangelhafte Infrastruktur, einseitige wirtschaftliche Orientierung etc.) kulturelle, wirtschaftliche u. a. Abhängigkeitsstrukturen bestehen“ (Politlexikon, bpb.de).

Die Ausstellung des Landschaftverbands Westfalen-Lippe in Dortmund beleuchtet vor allem die Berührungspunkte des NRW-Landesteils Westfalen mit dem Kolonialismus. Zahlreiche konkrete Beispiele, sowohl von Firmen als auch von Personen, die als Unternehmer, Missionare oder Farmer in den Kolonien tätig waren, werden vorgestellt. Zudem werden die bis in die heutige Gegenwart reichenden Folgen beschrieben. Jede Besucherin und jeder Besucher der Ausstellung kann sich die Frage stellen: Was hat das mit mir zu tun?

Es ist keine einfache Ausstellung… Viele der Abbildungen von stereotypen und rassistischen Abbildungen sind mit einem Tuch verdeckt, so dass man selbst entscheiden kann und muss, ob man sie sich angucken möchte. Etwas erschreckend für mich war, dass das alles, was mir so weit weg vorkam, also in meiner Vorstellung vielleicht von irgendwelchen weit entfernten Berlinern oder sonstigen Großstädtern verursacht worden war, tatsächlich genau so in meiner eigenen Heimat (meinem Geburtsland), „dem schönen Westfalen-Lande“ – wie mein Großvater immer zu sagen pflegte, stattgefunden hat.

Bildeindrücke

Westfalens (un)sichtbares Erbe Ausstellung Dortmund
Neun Menschen aus Westfalen und Umgebung beantworten die Frage, was hat Kolonialismus mit mir zu tun
Ausstellung Das ist kolonial. Westfalens (un)sichtbares Erbe
Colonialwaren in Bielefeld, 1910

Frauen in den Kolonien

Westfalens (un)sichtbares Erbe Ausstellung Dortmund

Westfalens (un)sichtbares Erbe Ausstellung Dortmund

Westfalens (un)sichtbares Erbe Ausstellung Dortmund

Gewalt und Ausbeutung

Westfalens (un)sichtbares Erbe Ausstellung Dortmund
Ignatius Fortuna wurde als Kind nach Essen verschleppt und diente dort einer Fürstäbtissin. Er hatte eine privilegierte Stellung am Hof und hohes Ansehen. Dennoch wurde ihm die Fähigkeit zur Vernunft abgesprochen.
Das ist kolonial. Ausstellung Dortmund Zeche Zollern
Die Ambivalenz der christlichen Mission

Widerstand

Ausstellung Das ist kolonial. Westfalens (un)sichtbares Erbe

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