Ausstellungstipp: Jugendstil im Museum Wiesbaden (Schenkung F. W. Neess)

Wie es manchmal eben so läuft: Monatelang plant man voller Vorfreude eine Reise zur Wiener Secession, zählt die Tage bis zur Abreise – nur um dann unglücklicherweise krank zu werden und alles verschieben zu müssen. Doch zum Glück gibt es den „Grumpy Hubby“, der, wenn es darauf ankommt, das genaue Gegenteil von grummelig ist und mit spontanen Ideen überrascht. In meinem Fall bedeutete das ein kleines Alternativprogramm ein Wochenende später.

Schon vor drei Jahren entdeckten wir bei einem Besuch in Wiesbaden die Schenkung von Ferdinand Wolfgang Neess (1929–2020). Doch weil wir mit unserem Hund unterwegs waren und ich das Museum nicht im Eiltempo durchqueren wollte, vertagte ich den Besuch auf einen späteren Zeitpunkt.

Museum Wiesbaden

Und was soll ich sagen? So wie die Mathildenhöhe in Darmstadt und der Hohenhof in Hagen für mich die spannendsten Orte in Deutschland in Sachen Jugendstil-Architektur sind, ist das Museum Wiesbaden die erste Adresse für Jugendstil-Objekte – von Möbeln über Glas und Keramik bis hin zu Gemälden. Hier werden mehr als 500 Kunstwerke aus dem Jugendstil und Symbolismus präsentiert, die der Kunsthändler F. W. Neess über vier Jahrzehnte hinweg gesammelt hat. 2017 schenkte er seine beeindruckende Sammlung der Stadt Wiesbaden (seine Geburtsstadt Neuss wollte sie nicht!). Offiziell eingeweiht wurde die Schenkung im Jahr 2019 anlässlich seines 90. Geburtstags.

Sammlung F. W. Neess

Allen, die sich für den Jugendstil begeistern, kann ich einen Besuch nur wärmstens empfehlen. Hier findet man sämtliche Stilrichtungen, und sie werden auf besonders ansprechende Weise präsentiert – mit dunklen Hintergründen, die die Holz- und Objektfarben eindrucksvoll zur Geltung bringen.

Die Worpsweder sind vertreten, darunter Heinrich Vogeler und Otto Modersohn, ebenso die Münchner mit dem Architekten und Designer Richard Riemerschmid. Der französische Jugendstil glänzt mit den berühmten Gallé-Vasen und Möbeln von Louis Majorelle. Natürlich darf auch die Wiener Werkstätte mit Josef Hoffmann nicht fehlen. Darüber hinaus sind Werke des Symbolismus zu sehen, unter anderem von Franz von Stuck.

Kurz gesagt: Ein Traum! Das Einzige, was mir in dieser konzentrierten Form tatsächlich ein klein wenig zu viel wurde, waren die unzähligen Frauendarstellungen – ob als „Femme fatale“ oder „Femme fragile“. Schon in einem früheren Artikel habe ich mich gefragt, ob man die idealisierten Frauenfiguren, wie sie zum Beispiel Heinrich Vogeler zeigt, heute eigentlich noch genauso bewundern kann. In Wiesbaden wird dazu Folgendes erläutert:

Wiesbaden

Auch ein Besuch der Stadt Wiesbaden lohnt sich übrigens sehr! Die Innenstadt wurde größtenteils in der Zeit zwischen 1850 und dem Ersten Weltkrieg errichtet, das heißt, hier sind besonders viele Bauten des Historismus zu sehen, oft mit prachtvollem Jugendstil-Dekor. Besonders bemerkenswert ist, dass verhältnismäßig wenige Gebäude während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden – nur etwa 30 Prozent der Innenstadt fielen den Bomben zum Opfer. Das ist außergewöhnlich wenig. Zum Vergleich: In Köln lag die Zerstörungsquote bei 70 Prozent.

Wiesbaden bietet zudem sehr schöne Wohngebiete wie das Rheingauviertel oder das Dichterviertel, die mit ihrer Architektur beeindrucken. Die Stadt zählt zu den ältesten Kurbädern Europas und verfügt über 15 Thermal- und Mineralquellen. Der Kurpark mit dem Kurhaus, der Kolonnade und dem Hessischen Staatstheater sind definitiv eine Besichtigung wert. Wiesbaden liegt 40 Kilometer von Frankfurt am Main entfernt und ist verkehrsmäßig bestens angebunden.

Stadteindrücke Wiesbaden

Stadtschloss Wiesbaden, Sitz des Hessischen Landtags
Neues Rathaus Wiesbaden und neogotische Marktkirche
Kurhaus Wiesbaden
Klassizistische Kurhauskolonnade
Kurhauskolonnade, ein Casino gibt es auch
Wiesbaden Historismus Architektur
Historismus-Architektur…
… versus restaurierter Nachkriegsmoderne… (Hessisches Ministerium für Soziales und Integration)
… versus zeitgenössischer Architektur (Museum Reinhard Ernst, Architekt: Fumihiko Maki, 2024)
Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Blick auf die Innenstadt

Infos

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