Neulich bezeichnete Grumpy Hubby meine Bemühungen, meine Tausenden von Fotos aus den Klauen einer Synchronisierungsapp zu befreien, scherzhaft als „hoffnungslosen Kampf gegen die Tech-Giganten“. Die Hersteller hatten plötzlich ihre Geschäftsbedingungen geändert und speicherten jedes Foto grundsätzlich mindestens viermal ab (!) und zwar teilweise offenbar auf unserem PC, was man in den Einstellungen nicht ändern konnte. So war der Speicherplatz unserer Festplatte schnell komplett belegt. Trennte ich aber die App vom PC, war alles weg und nicht, wie es überall im Internet steht, noch vorhanden. So musste ich also in mühsamer Arbeit alle Fotos einzeln oder in kleineren Grüppchen von der App runterladen, um sie zurückzugewinnen. Das hat mehrere Wochen gedauert und mich zum Nachdenken gebracht über neue Technologien und Abhängigkeiten davon. Nein, ich bin kein Fan der Tech-Giganten geworden…

Natürlich hat Grumpy Hubby recht: Man kann den Fortschritt nicht aufhalten und er bringt sicherlich auch viele Vorteile: medizinisch gesehen, für die Arbeitswelt usw. Auch bei kreativer Arbeit kann es nützlich sein und neue Ideen liefern. Ich selbst aber habe mich aus verschiedenen Gründen gegen die Nutzung von ChatGPT und Co. entschieden. Privat habe ich ja die freie Wahl. Ich muss nicht bei allem mitmachen.
Schon zu früheren Zeiten haben Menschen den (uferlosen) technischen Fortschritt kritisiert: Um die Jahrhundertwende 1900 blickten einige skeptisch auf die Industrialisierung und die damit einhergehenden Veränderungen des menschlichen Lebens (z.B. siehe Ausstellungstipp Paramoderne). Später, ab den 1960er-Jahren, befassten sich unter anderem der Künstler Jean Tinguely (1925-1991) und seine Frau Eva Aeppli (1925-2015) auf humorvolle und spielerische Weise mit dem Thema.

Ausstellung im Lehmbruck Museum
Eine sehr schöne Anregung, sich selbst einmal mit der Thematik „Mensch-Maschine“ auseinanderzusetzen, bietet noch drei Wochen lang das Duisburger Lehmbruck Museum. Dort kann man nämlich Einblicke in die Arbeiten von Jean Tinguely und Eva Aeppli gewinnen. Jean Tinguely gilt als Hauptvertreter der kinetischen Kunst und was das ist wird einem sofort klar, wenn man seine Kunstwerke sieht bzw. hört: Es rattert und zischt, es knattert und klappert. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, Jean Tinguelys Maschinenkunst selbst in Gang zu setzen. (Bewegung ist also der maßgebliche Faktor kinetischer Kunst.)
Eva Aeppli hingegen zeichnet sich durch ihre handgenähten Figuren aus, teils in beeindruckender Größe. Aus den Augenwinkeln kann man schon mal eine Gruppe Menschen mit ihren Puppen verwechseln und wenn man dann in die Gesichter der Puppen blickt, wird man mit einer Vielzahl von menschlichen Gesichtsausdrücken und Seelenzuständen konfrontiert. Oft spielt der Tod eine Rolle in ihrem Werk und man spürt bei ganz vielen Arbeiten: Da hat sich jemand auseinandergesetzt mit den Gräueln zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Trotz allen Ernstes kommt bei beiden immer wieder schwarzer Humor und Ironie zum Vorschein (Nur bei der Malmaschine „Meta-Matic No. 10“ blieb mir persönlich das Lachen im Halse stecken. Ursprünglich gedacht als ironische Antwort auf die abstrakte Kunst der Nachkriegsjahre, ist die Abnahme von kreativer Arbeit durch eine Maschine ja inzwischen tatsächlich Möglichkeit und Wirklichkeit geworden).






Architektur des Hauses
Das Haus an sich ist übrigens schon eine Augenweide! Zumindest für alle, die sich für Häuser der (Nachkriegs)-Moderne interessieren. Doch dazu mehr in einem weiteren Blogartikel.
Infos
- Lehmbruck Museum: Mechanik und Menschlichkeit
- FAZ-Artikel: KI und Kreativität – Sind menschliche Texte bald die Rolex des Geistes? (leider hinter der Paywall, aber wer ein Abo hat: Unbedingt lesen, ein hoffnungsvoller Artikel für alle Autorinnen und Autoren!)


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