Viele Menschen haben wohl schon mal von der Wuppertaler Schwebebahn gehört. Aber kennen sie auch die Station Werther Brücke, die originalgetreue Rekonstruktion des 1903 eröffneten Jugendstil-Bahnhofs? Ich kannte sie nicht. Und ich wusste auch nicht, dass es noch zwei weitere Haltestellen gibt, die in den Jahren 2010-2013 formidentisch im Jugendstil wiederaufgebaut wurden, nämlich die Stationen Völklinger Straße und Landgericht.


Die Schwebebahn an sich ist ja schon so etwas wie eine kleine Sensation: 1901 in Betrieb genommen, bringt sie seitdem Einheimische und Touristen über eine Strecke von 13 Kilometern durch die Stadt, wobei der Großteil über den Fluss Wupper verläuft. Damit ist sie die einzige ihrer Art, die auf einem so langen Weg und über so lange Zeit als Verkehrsmittel benutzt wird.

Geschichte der Schwebebahn
Erdacht hat sie der Unternehmer und Ingenieur Eugen Langen (1833-1895), um das Problem des Platzmangels zu lösen. Die damaligen erfolgreichen Industriestädte Barmen und Elberfeld (die erst 1929 mit Cronenberg, Vohwinkel und anderen Orten zu einer Stadt zusammengelegt wurden, die 1930 den Namen „Wuppertal“ bekam), lagen nämlich – wie der Name schon preisgibt -, in einem schmalen Tal, weshalb eine Straßenbahn wegen Platzmangels nicht infrage kam. Also dachte sich Eugen Lange eine Hochbahn aus, die von Anfang an große Begeisterung unter den Menschen hervorrief und heutzutage 85.000 Menschen täglich transportiert. Darüber hinaus ist sie das Wahrzeichen der Stadt und zieht sogar Touristen aus aller Welt an.
Architektur der Bahnhöfe
Leider konnte ich den Architekten der Werther Brücke bisher nicht recherchieren. Der einzige Architekt, den ich mit Bezug zu den Wuppertaler Stationen finden konnte, war Bruno Möhring (1863-1929). Dieser entwickelte den ersten Entwurf des Jugendstil-Bahnhofs Döppersberg. Er ist derselbe, der in Berlin den Bahnhof Bülowstraße oder auch die Maschinenhalle in der Zeche Zollern in Dortmund konzipiert hat (siehe mein Artikel darüber hier). In Wuppertal gewann er zwar den Architekturwettbewerb, aber sein Jugendstil-Entwurf wurde aus finanziellen Gründen nur in Teilen umgesetzt. Hier sieht man die ursprüngliche Version Möhrings vom Döppersberg:

Einen guten Eindruck von weiterer Jugendstil-Ornamentik beim damaligen Bahnhof Rathausbrücke findet man auf dem ersten Foto in diesem Artikel (Webseite Rheinische Art), in dem es um das Schwebodrom, das Museum zur Schwebebahn, geht. Man sieht, dass am „Giebel“ früher noch mehr Ornamentik vorhanden war als es heute bei den rekonstruierten drei Jugendstil-Bahnhöfen der Fall ist. Möglicherweise war die Station Werther Brücke früher ja ähnlich dekoriert?
Die gesamte Wuppertaler Schwebebahn mit ihren Bahnhöfen steht seit 1997 unter Denkmalschutz. Eine Beschreibung findet sich hier in der Denkmalliste.
Zum Schluss noch ein paar weitere Impressionen von der Werther Brücke…




Infos
- Wuppertaler Schwebebahn (Webseite)
- Architektur in Wuppertal: Der Jugendstil als prägende Epoche (Webseite der Stadt Wuppertal)
- Kurze Stadtchronik (Webseite der Stadt Wuppertal)
- Tour durch das Zooviertel in Wuppertal (eigener Beitrag)
- Tour durch das Briller Viertel in Wuppertal – Größtes zusammenhängendes Gründerzeit-Viertel in Deutschland (eigener Beitrag)


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