Jugendstil in Herne: Die Flottmann-Hallen mit dem schmiedeeisernen Tor

Das heutige Kulturzentrum „Flottmann-Hallen“, das vor ein paar Tagen seinen 40. Geburtstag feierte, ist eigentlich ein Relikt aus den Goldenen Zeiten des Ruhrgebiets: Die von Heinrich Flottmann gegründete Gießerei zog 1902 von Bochum in die Nachbarstadt Herne und erweiterte ihr Produkt-Sortiment um ein wichtiges Werkzeug für den Bergbau, den Druckluft-Bohrhammer mit Kugelsteuerung. Dieser erleichterte die Arbeit unter Tage extrem und war dementsprechend nachgefragt. Das verschaffte dem Unternehmen einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und man begann neue Werkshallen zu bauen.

Der fünfschiffige Gebäudekomplex, der heute dank des Denkmalschutzes immer noch existiert, wurde von den Dortmunder Architekten Georg Schmidtmann und Julius Klemp entworfen. Er „verbindet die Formensprache des ausklingenden Jugendstils Darmstädter Richtung mit sachlicher Strenge und Monumentalität“ (baukunst-nrw.de). Der Rest der großen Fabrikanlage (Formerei, Schmiede mit Öfen etc.) wurde in den 1980er-Jahren abgerissen. Hier sieht man ein tolles Vorher-Nachher-Bild des ganzen Geländes (ruhrgebiet-industriekultur.de).

Flottmann-Kneipe

Flottmann-Tor

Das imposante Jugendstil-Tor stammt von Carl Weinhold (1867-1925), dem technischen und künstlerischen Leiter einer Metallgießerei aus Essen. Es wurde 1902 auf einer Industriemesse in Düsseldorf ausgestellt. Von 1905 diente es einige Jahrzehnte lang als Eingangstor zu den Flottmann-Werken. 1967 wurde es der Stadt Herne geschenkt und fand vorübergehend einen neuen Standort am Schloss Strünkede. Nach mehreren Restaurierungen und jahrelangen Diskussionen kam es schließlich zu seinem ursprünglichen Standort auf dem Werksgelände zurück. Dort kann es nun witterungsgeschützt von Besucherinnen und Besuchern bewundert werden.

Zahlreiche Symbole schmücken das Tor: Der goldene Frauenkopf mit Strahlenkranz ist ein Symbol der Aufklärung. Die beiden Hunde rechts und links sind ein Zeichen für Treue, die Eulen sind ein Sinnbild für geistige Arbeit. Die floralen Elemente des Mittelteils sind dynamisch geschwungene Linien, typisch für den Jugendstil floraler Prägung. Der Drache, der gegen die sich auf einem Amboss windende Schlange kämpft, steht für physische Kraft und Intelligenz gegenüber der Schlange, die das zähe, glühende Schmiedeeisen symbolisieren soll (herne-damals-heute.de)

Fazit

Allein das Tor ist einen Besuch wert! Man kann dort auch schöne Portraits mit dem Hund machen. 😉 Wenn man sich für die Geschichte der Flottmann-Hallen interessiert, gibt es eine Dauerausstellung im Foyer der Hallen zu sehen. Diese sind aber nur zu bestimmten Zeiten geöffnet (siehe Webseite). Im historischen Gebäude der Flottmann-Hallen gibt es darüber hinaus eine Kneipe (ebenfalls Öffnungszeiten beachten!) und im Außenbereich einen Skulpturen-Park, der jederzeit zugänglich ist. Es macht Spaß, das Gelände zu besuchen – ein echter Stimmungsaufheller, wenn man (an den neuerdings wieder aufkommenden düsteren Frühherbsttagen und in unseren düsteren Zeiten) mal etwas mies drauf ist…😊

Skulpturenpark

Infos

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