Barocke Pracht: Ein Spaziergang durch Dresdens Altstadt (Teil 2: Hofkirche und Residenzschloss)

Endlich nun der zweite Teil zu meinem Dresden-Trip! Den ersten Teil über August den Starken, den Zwinger und den Theaterplatz mit der Semperoper kann man hier nachlesen.

Katholische Hofkirche (heute: Kathedrale Sanctissimae Trinitas)

Direkt gegenüber der Semperoper befindet sich die Hofkirche. Nicht August der Starke, sondern sein Sohn Kurfürst Friedrich August II. ließ unter strikter Geheimhaltung die barocke katholische Hofkirche erbauen. Denn der Unmut der Bevölkerung über die Konversion Augusts war im protestantischen Sachsen groß und er wagte es nicht, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Stattdessen verfasste er Erlasse, die den Leuten Religionsfreiheit zusicherten, und feierte die Heilige Katholische Messe lieber im Verborgenen in der Schlosskapelle oder im Palais am Taschenberg.

Erst sein Nachfolger Friedrich August II. gab dem italienischen Baumeister Gaetano Chiaveri (1689-1770) den Auftrag, das katholische Gotteshaus zu bauen. Damit die Prozessionen nicht auf der Straße stattfinden mussten (was verboten war), schuf er im Inneren um das Mittelschiff herum einen Prozessionsumgang. Ab 1739 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen, doch Chiaveri verließ Dresden 10 Jahre vor der Vollendung im Jahr 1755. Unstimmigkeiten mit örtlichen Architekten werden gemutmaßt. Sebastian Wetzel, Johann Christoph Knöffel und Julius Heinrich Schwarze lösten ihn als Baumeister ab.

Details

78 imposante Heiligenfiguren (geschaffen vom Bildhauer Lorenzo Mattielli) zieren die Hofkirche: 59 davon befinden sich oben auf den Balustraden; hinzu kommen die vier Evangelisten in den Nischen beiderseits des Hauptportals sowie weitere Apostel an der Turmfront.

Eingangsportal mit Evangelisten

Die Hofkirche wurde nicht wie sonst in Ost/Westrichtung errichtet, sondern von Nordosten nach Südwesten und fügt sich so in den Schloss- und Theaterplatz ein. Sie besitzt einen neobarocken Übergang zur Schlossresidenz (siehe Foto unten). Die Kanzel wurde von Balthasar Permoser geschaffen, einem bedeutenden Bildhauer des sächsischen Barocks. In einer Kapsel befindet sich das Herz August des Starken, sein Leichnam ist in der Wawel-Kathedrale in Krakau begraben.

Residenzschloss Dresden

Das heutige Residenzschloss wurde 1289 zum ersten Mal als Burganlage „Castrum“ urkundlich erwähnt. Zwischen 1468 und 1480 wurde die Burg zur Vierflügelanlage ausgebaut und in der Folgezeit je nach den Bedürfnissen der sächsischen Herrscher erweitert. Herzog Georg fügte den Georgenbau (Bauzeit: 1530-1535) hinzu. Dieser gehörte zu den bedeutendsten Bauten der Frührenaissance, wurde aber stark verändert. Die heutige Neorenaissance-Fassade entstand 1901.

Georgentor von der Stadtseite aus

Die Kurfürsten Moritz von Sachsen und sein Bruder und Nachfolger August erweiterten das Schloss. Es entstanden die Schlosskapelle, der Westflügel und der Große Schlosshof. Die dortigen Fassaden sind mit Szenen aus der Bibel und römischer Geschichte mittels Sgraffitotechnik verziert. So entstand in den Jahren 1548 bis ca. 1560 eines der prachtvollsten Schlösser der Renaissance. Einige Jahre später wurden das Stallgebäude und der Stallhof mit dem Langen Gang angelegt. An der zur Augustusstraße gelegenen Außenwand des Langen Ganges befindet sich der Fürstenzug. Auf beeindruckenden 102 Metern werden die Herrscher des Fürstenhaus Wettin auf 23.000 Meißner Porzellanfliesen dargestellt.

August der Starke im Fürstenzug aus Meißner Porzellanfliesen

Nach einem Brand im Jahr 1701 wollte August der Starke das Schloss eigentlich groß umbauen lassen, aber Geldmangel in den Staatskassen unter anderem durch den Großen Nordischen Krieg vereitelte seine Pläne und er ordnete einen einfacheren Wiederaufbau an. Die Innenräume des zweiten Obergeschosses wurden allerdings barock gestaltet, unter anderem das Schlafzimmer Augusts des Starken. Sehr wichtig war ihm auch die Anlage einer Schatzkammer – so entstand das Grüne Gewölbe, das nach den ehemals malachitgrün gestrichenen Säulenkapitellen in den ursprünglichen Räumen benannt wurde. Das Grüne Gewölbe war eins der ersten öffentlichen Museen der Welt.

Bei den Bombenangriffen auf Dresden 1945 wurde das Residenzschloss zerstört, doch Denkmalpfleger und engagierte Bürgerinnen und Bürger wehrten sich gegen einen Abriss seiner Reste. Jahrzehntelang blieb es eine Ruine in der Stadt, denn der DDR-Regierung fehlten der Wille und das Geld für den Wiederaufbau. Erst nach der erfolgreichen Rekonstruktion der Semperoper im Jahr 1985 wurde angekündigt, das Schloss wiederaufzubauen. Im Jahr 1991 übernahm der Freistaat Sachsen die Schlossanlage und hat seitdem in beeindruckender Weise zahlreiche Gebäudeteile wiederhergestellt. Ein rund 40 Jahre andauernder Wiederaufbau, den man vor allem dem Mut der Dresdnerinnen und Dresdnern zu verdanken hat. Eine Besichtigung darf man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen!

Infos

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