Barocke Pracht: Ein Spaziergang durch Dresdens Altstadt (Teil 3: Neumarkt mit Frauenkirche und Brühlsche Terrasse)

Als ich meine Fotos vom Residenzschloss und der Hofkirche im Kasten habe (siehe Blogbeitrag hier), verweile ich für einen Augenblick am Schlossplatz und frage mich, wo ich jetzt entlang gehen soll. Weiter nach Westen, also stadtauswärts die beeindruckend große Freitreppe hoch, oder doch geradeaus durch das Tor? Die Frage ist schnell beantwortet, denn das Georgentor, das in früheren Zeiten tatsächlich der Stadtein- bzw. -ausgang war, wirkt auch heute noch wie eine Einladung, der man intuitiv folgen möchte.

Georgentor

Doch was verbirgt sich nach all den Highlights noch hinter diesem Tor? Voller Neugier trete ich durch den großen Rundbogen. Und ich komme nicht aus dem Staunen heraus. Diese wunderbaren Altbauten auf der Schlossstraße dahinter sind alle erhalten geblieben? Das ist ja ein Wunder!

Ich laufe immer weiter, schüttele ungläubig den Kopf über so viel architektonische Schönheit und gelange automatisch auf einen Platz, auf dem vor mir die berühmte Frauenkirche aufragt. Das muss der Neumarkt sein! Und dann ist da auf einmal ein komisches Gefühl: Diese ganzen Häuser um die Frauenkirche herum sind einfach zu schön um wahr zu sein. Irgendwas stimmt nicht. Sie sind zu perfekt, zu sauber oder so was. Und ich schaue schnell in meinem Smartphone nach.

Entwicklung des rekonstruierten barocken Neumarkts zwischen 2002 und 2021

Tatsächlich. Das alles um mich herum ist in jahrelanger Arbeit in mehreren Abschnitten quartiersweise ganz neu errichtet worden. Und es gab damals eine Kontroverse darum, das kann man auf dieser Seite (Tour Dresden, ein Online-Stadtführer) nachlesen. Die Architektenschaft war gegen einen historischen Nachbau. Die Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich dafür. Zwischen 1993 und 2005 wurde schließlich die Frauenkirche wiederaufgebaut und zwischen 2002 und 2021 fand die Herstellung der acht Quartiere drumherum statt. Zugegebenermaßen hat man nun ein visuell absolut einheitliches Stadtbild vor sich. 😉

Häuser am Neumarkt, ein Mix aus historischen Rekonstruktionen und modernen Neubauten

Neumarkt mit Martin-Luther-Denkmal

Nochmal von der anderen Seite…

Rampische Straße
Coselpalais

Hätte man hier stattdessen lauter moderne Glas/Stahlbauten hinsetzen sollen? Dann würden sicherlich nicht so viele Besucherinnen und Besucher in Scharen herumlaufen und all die Cafés und Restaurants frequentieren. Die allermeisten Menschen heutzutage bevorzugen sicherlich diese schönen „alten“ Häuser. Aber ich verstehe auch die andere Perspektive. Es hat ein bisschen was von Disneyland. Es ist nicht ganz echt. Und ich habe es gespürt. Natürlich sind auch der Zwinger, die Schlossresidenz und die Frauenkirche wieder „neu“ aufgebaut worden, aber bei ihnen (so behauptet es zumindest Google), sind wesentlich mehr alte, also originale Gebäudeteile gerettet und wiederverwendet worden als beim Neumarkt. Und das merkt man einfach. Aber wie gesagt: Wenn hier hauptsächlich moderne Gebäude aus unserer Zeit stehen würden, hätte ich persönlich es wahrscheinlich auch als unpassend empfunden. Wie seht ihr das?

Frauenkirche

Leider war ich zum absolut falschen Zeitpunkt an der Frauenkirche. Weder Samstagabend (dort fand ein Konzert statt) noch sonntags um 8.00 Uhr morgens ist eine sonderlich gute Zeit für eine Innenbesichtigung. Sprich: Sie war nicht öffentlich zugänglich. Da der Tag aber vollkommen verplant war, habe ich die einzigartige Chance, die Frauenkirche von innen zu sehen, leider verpasst. Deshalb nur Fotos von außen.

Ist sie nicht wunderschön?

Hier nochmal die wichtigsten Fakten: Die Dresdner Frauenkirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche und ihre 91 Meter hohe Kirchenkuppel ist eine der größten steinernen Kirchenkuppeln nördlich der Alpen. Eine Missionskirche aus Holz gab es wahrscheinlich schon ab ungefähr dem Jahr 1000 (Infos zur genaueren Historie der Frauenkirche hier bei Wikipedia). Im späten 12. Jahrhundert wurde da, wo heute die Frauenkirche steht, eine romanische Kirche erbaut, die später eine Choranlage im Stil der Gotik erhielt. Anfang des 18. Jahrhunderts war diese Kirche baufällig und zu klein geworden. Georg Bähr (1666-1738) lieferte den barocken Entwurf für die heutige Frauenkirche, die zwischen 1726 und 1743 errichtet wurde. 1945 wurde sie beim Bombenangriff zerstört. Sie blieb eine Ruine, bis eine engagierte Bürgerbewegung den Wiederaufbau vorantrieb und zahlreiche Spenderinnen und Spender aus der ganzen Welt es möglich machten, dass sie „wiederauferstand“. Am 30. Oktober 2005 wurde die Frauenkirche mit einem Festgottesdienst wiedereröffnet.

Brühlsche Terrasse

Hätte ich mich wie oben beschrieben am Georgentor für den anderen Weg über die imposante Freitreppe entschieden, wäre ich direkt zur Brühlschen Terrasse gelangt. Nun komme ich aber dorthin, indem ich um die Frauenkirche herumlaufe, die Kunstakademie am Georg-Treu-Platz passiere und eine ebenfalls herrschaftliche Treppe hinaufstiefele.

Links hinten die Frauenkirchen-Kuppel, rechts die Kunstakademie mit Glaskuppel und dem Gottfried-Semper-Denkmal

Und dann ist da auf einmal ein sehr schöner, kleiner Park mit Blick auf die Elbe. Ausnahmsweise spielt auch mal das Wetter mit. Ich lasse mich auf einer der Bänke nieder und genieße die Aussicht. 🙂

Brühlscher Garten mit Blick auf die Frauenkirche

Blick auf die Augustusbrücke

Kunsthalle im Lipsius-Bau

Was ist denn nun die Brühlsche Terrasse? Es handelt sich um ein architektonisches Ensemble, das sich 500 Meter entlang der Elbe zwischen Augustusbrücke und Carolabrücke erstreckt. Im 16. Jahrhundert war sie Teil der Dresdner Befestigungsanlagen, über die man sich übrigens im Museum Festung Dresden unterhalb der Brühlschen Terrasse informieren kann (Festung Xperience, ein multimediales Erlebnis). Der Name stammt von einem sächsischen Staatsmann, Heinrich von Brühl, (1700-1763) der die so genannten Brühlschen Herrlichkeiten errichten ließ, wovon nur noch die Brühlsche Terrasse übrig ist.

Heute gehört zur Brühlschen Terrasse die bereits erwähnte Freitreppe, das Sächsische Ständehaus, die Sekundogenitur (ein ehemaliges Bibliotheksgebäude), das Albertinum, die Kunstakademie (Lipsius-Bau) und das Bärenzwinger-Areal (mit einem Studierendenclub in den historischen Gewölben). All diese Prachtbauten würden natürlich nochmal eine eingehende Betrachtung benötigen. Auf nach Dresden!

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