Ausstellungstipp: „Monet – Cézanne – Matisse. The Scharf Collection“ im Kunstpalast Düsseldorf (noch bis zum 9.8.26)

Eine „coole“ Ausstellung kann man im wahrsten Sinne des Wortes dieser Tage im Kunstpalast am Rheinufer in Düsseldorf besuchen: 180 Exponate der bedeutendsten deutschen Privatsammlung vom frühen 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart lassen sich dort in angenehm klimatisierten Räumen genießen und für einen Augenblick die sengende Sommerhitze draußen vergessen.

Auguste Renoir: Zwei lesende Mädchen, ca. 1890

Die Scharf Collection wurde bereits in Berlin in der Alten Nationalgalerie gezeigt und präsentiert Exponate aus der über mehrere Generationen fortgeführten Sammlertätigkeit der Familie Gerstenberg/Scharf. Sie umfasst vor allem französische Werke des frühen 19. und 20. Jahrhunderts und reicht somit von den Impressionisten, also den Anfängen der Moderne, bis zu den Wegbereitern der Avantgarde. Heute führen René Scharf und seine Frau Christiane die Sammlungstätigkeit der Familie mit Werken der Gegenwart fort. Mit meinem Interesse am Jugendstil, der zeitmäßig genau mittendrin liegt, war es für mich persönlich eine sehr lohnenswerte Ausstellung.

Japan in Frankreich

Besonders reizvoll fand ich den Raum „Japan in Frankreich“, in dem Werke der Künstler Pierre Bonnard und Édouard Vuillard eindrücklich zeigen, wie sehr die japanische Kunst damals die Kunst in Europa prägte („Japonismus“). Die Flächigkeit, der Umgang mit Mustern und ungewöhnliche Perspektiven erinnern an Vorbilder wie Utagawa Hiroshige (1797-1858) oder Katsushika Hokusai (1760-1849). Der Japonismus steht ja auch unmittelbar mit dem Jugendstil in Zusammenhang (siehe Links unten).

Pierre Bonnard: Familienszene, 1893, Lithographie

Henri Toulouse-Lautrec

Der für seine leuchtenden Plakate und seinen Einfluss auf den Jugendstil bekannte Henri de Toulouse-Lautrec ist ebenfalls wunderbar vertreten, denn der Sammler Otto Gerstenberg, auf den die heutige Scharf Collection zurückgeht, erwarb fast sein gesamtes Druckgrafik-Werk. Obwohl Toulouse-Lautrec aus wohlhabenden Verhältnissen stammte, entschied er sich für ein Leben im Umfeld der Boheme im Pariser Viertel Montmartre. So sind neben einigen Plakaten auch Abbildungen von Frauen zu sehen, die in den Bordellen arbeiteten und die er in der Mappe Elles (1896) porträtierte. Interessanterweise werden sie nicht voyeuristisch dargestellt, sondern in alltäglichen Situationen wie dem Waschen oder dem Aufräumen. Hat sein eher anteilnehmender Blick vielleicht damit zu tun, dass er selbst als Außenseiter galt?

Henri Toulouse-Lautrec: Plakat für den Kabarettsänger Aristide Bruant, 1893
Henri Toulouse-Lautrec: Plakat für das Kabarett Moulin Rouge, 1891

Darüber hinaus sind Werke von Francisco de Goya, Henri Matisse, Edgar Degas und vielen anderen zu sehen.

Edgar Degas: Place de la Concorde, 1875 (Reproduktion des Gemäldes)

Trotz der angenehmen Temperaturen in den Museumsräumen entkommt man dem Sommer nicht ganz: Einige französische Bilder, wie zum Beispiel Paul Cézannes „Haus mit rotem Dach“ oder Auguste Renoirs „Landschaft bei Essoyes“, stellen mit ihren eindrucksvollen Licht-Schatten-Darstellungen eine hochsommerliche Atmosphäre dar, die an frühere, unbeschwert anmutende Tage erinnert. Damals lag der Klimawandel noch in weiter Ferne.

Paul Cézanne: Haus mit rotem Dach (1887-1890)

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