Das Künstlerdasein scheint manchmal keine einfache Angelegenheit zu sein. Vor allem nicht, wenn man den Horror eines Weltkriegs erlebt, deshalb beginnt, sarkastische und beißende Gesellschaftskritik zu üben (um die Menschen wachzurütteln) und schließlich feststellen muss, dass sich nichts und niemand ändert, sondern eine faschistische Diktatur und ein zweiter Weltkrieg auf einen warten.


„Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“ lautete die Forderung der Dadaistinnen und Dadaisten an ihre Mitmenschen. Man selbst sieht und begreift alles, nur die Mehrheit kapiert scheinbar nicht(s). So amüsant (oder oft auch schockierend) die Kunst der Dadaisten heute auf uns wirken mag, so deprimierend scheint mir der fehlende Effekt auf die damalige Allgemeinheit zu sein.


Alles über die Kunstbewegung, die keine sein wollte, kann man zurzeit in der sehr lohnenden Ausstellung im Zentrum für verfolgte Künste in Solingen erfahren. Ich persönlich hatte ja aus dem Schulunterricht noch die absurden lautmalerischen Gedichte in Erinnerung, die uns damals sehr gefielen und eine willkommene Abwechslung zu Goethe und Co. boten.

Doch der Dadaismus ist weit mehr als das. 1916, noch während des Ersten Weltkriegs im Züricher Cabaret Voltaire gegründet, war es eine städteübergreifende, keineswegs einheitliche Bewegung, die mit den Mitteln der Provokation gegen die Schrecken und Auswirkungen des Krieges wachzurütteln versuchte. Laute, bunte, sarkastische Collagen, Theaterstücke, Musik, Lyrik und Grafiken hinterfragten die damaligen Werte. Das Politische war der gemeinsame Nenner. Das Ende der Bewegung wird in die frühen 1920er-Jahren datiert. Trotzdem kämpften einige der Künstlerinnen und Künstler wie George Grosz, Hannah Höch oder John Heartfield in der Weimarer Republik weiter gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Dieser lehnte den Dadaismus als „entartet“ ab.



Dadaismus, die antibürgerliche, anarchistische und pazifistische Bewegung, die mit den Stilmitteln der Absurdität und Provokation arbeitete, erinnert uns heute daran, wie schnell alles kippen kann. Also sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!
Info
- „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“ (Webseite Zentrum für verfolgte Künste)


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